
Eine wahre Geschichte über Empathie: Das Kostüm.
Eine Geschichte zum Thema andere verstehen und Empathie. Als Kind, ich war so ca. 6 Jahre alt, wollte ich zu Karneval um alles in der Welt Pirat sein. Ein legendärer Piratenfilm hatte es mir angetan. Mit Piraten verband ich alles das, was ich für mich beanspruchte: Freiheit, Selbstbestimmtheit, respektiert und ein wenig gefürchtet. Einen Degen und eine Pistole, ein Kopftuch und eine Augenklappe und ein aufgemalter Bart. Zerfetzte Kleidung.
Aber meine mich liebende Mutter hatte etwas anderes im Sinn. Ihr Kleinster und Jüngster sollte zu Karneval als „Clown“ verkleidet sein. Ihr kleiner süßer Clown. So gab sie sich alle Mühe, in stundenlanger Arbeit ein Clownkostüm zu erstellen. Sie besorgte Schminke und eine Perücke.
Und so ergab es sich, weil ich als kleiner Junge meiner Mutter keinen Wunsch ausschlagen konnte, dass ich in einem Clownkostüm in die Grundschule zur Karnevalsfeier ging. Was zur Folge hatte, dass ich weinend auf einer Bank in der Aula saß. So sehr, dass mir die ganze Schminke verlief. Ich bewegte mich nicht weg. Ich wartete ab, bis die Feier vorüber war, und dann ging ich nach Hause.
In der Zwischenzeit hatten meine Geschwister wohl davon erzählt. Als ich durch die Haustür schritt, empfingen mich meine Eltern und meine Geschwister. Und alle hatten Einzelteile eines Piratenkostüms in den Händen. Meine Mutter riss mir förmlich das Clownkostüm vom Leibe und ich wurde als Pirat verkleidet.
Mit Degen, Pistole, breitem Gürtel, zerfetzten Klamotten, einem Streifenhemd, einem schwarzen Kopftuch und einer Augenklappe. Und zum guten Schluss malte mir meine große Schwester Bartstoppeln ins Gesicht.
Drei Tage lang wandelte ich als Pirat durch die Lande und machte die Gegend unsicher. Es waren sehr glückliche Tage. Bis heute ist diese Geschichte fest in meine Erinnerung eingebrannt. Und ich denke, es ist ein guter Ort und Zeitpunkt, diese einmal zu erzählen. Damit das so wenigen Kindern wie nur möglich passiert – einen echten Piraten zum Clown zu machen.
Empathie bedeutet, den anderen zu verstehen. Hätte meine Mutter mich gefragt, hätte sie einen Traum meiner Kindheit verhindern können. Denn was diese Geschichte so besonders bitter macht: Das Image als Klassenclown bin ich lange nicht los geworden. Also, einfach mal fragen, bevor man selbst genau weiß, was besser für jemand anderen sein könnte. Danke!
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